Überführungsbericht eines Englischen Prout 37' Katamarans von Malaysia nach Italien.
Teil 1


Das Schiff MICON I wurde im Dez. 03 besichtigt
und von einem Österreicher verkauft. Wie bei vielen Cruiser- und Eignerschiffen sind sehr gute, funktionale Detaillösungen eingebaut worden - auf der anderen Seite sind alle eigenwillig, nachträglich angebrachten Konstruktionen (aufgrund mangelnder Kenntnis oder nicht vor Ort erhältlichen Materials) kritisch zu betrachten.

Der neue Eigner Michael ist ganz aufgeregt und landete zu seinem verdienten Urlaub mit Conny (einer resoluten Bordfrau - die immer noch nicht weiß, dass mit vorn der Bug gemeint ist) in Borneo. Nachdem dann das erste und wichtigste Spielzeug eingebaut, einige Schrauben abgedreht und Conny den Haushalt eingeräumt hat - ist nach Tanken der Kat bereits wieder eine Tonne schwerer. Michael hat mit einem anderen Profiskipper seinen Kat von Borneo via Singapur, und wie er nun lächelnd zugibt, durch alle Piraten der Malakka Straße sowie 10m hohen Wellen (Originalton) des Chinesischen Meeres nach West-Malaysien gesegelt. (oder doch wohl mehr motort).


Ab März habe ich für ihn Zeit und nach 6 Wochen Umbau einer Privilege 39 (Katamaran) in der Karibik geht es via London zu meinem geliebten Aldi-Stopp in Bayern. Während sich die Schneemassen also auf Bayrischen Straßen türmen, klettere ich bibbernd aus dem Flugzeug, das mich ein Viertel der Erde aus 35° Hitze in vor-arktische -4° entläßt. 24 Stunden später sitze ich wohl betreut von Malaysia Airlines mit 54kg Gepäck im Flugzeug nach Langkawi. So schnell kann man einmal halb um die Erde kommen. Schwülheiße Luft, wieder 35° und ein stolzer Eigner erwarten mich..


Wir haben 24 Stunden, dann fliegt er nach 2 Monaten Asien zurück nach Bayern. Die neue Crew (eine reine Alpinbesetzung) ist auch schon da und so findet die Übergabe also zwischen Koffern (auf einem Schiff?) und sechs ein- und ausräumenden Seeleuten statt. Seit meinem letzten Besuch bei der Erstellung eines Kaufgutachtens hat sich doch einiges getan.

Neue Kissen, Polster sowie ein Funkgerät und ein MP3 Radio haben, neben den weiblichen Hausstandsaufrüstungen der Eignerin Conny ihren Weg in das schwimmende Zuhause gefunden. Mit den bereits gebunkerten Lebensmitteln, Tupperschüsseln und Bauhauswerkzeug könnte ich alleine bereits loslegen.

Meine Schweizerin Daniela (34/blond/Vegetarierin) hat aber erweiterte Ansprüche und so hält uns vom Sofortstart eine Teilnahme an der BMW-Langkawi Regatta (aber nicht mit diesem Schiff) und fehlender Wind ab. Die Zeit nutze ich, um mit Otto einem Österreichischen Seebären das Schiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Jeder Skipper hat seine eigene Ordnung und so wurde nach Abzug der Eigner erst mal klar Schiff gemacht. Der halbe Hausstand wurde wegen Überfunktionalität weggestored.

Nächster Punkt - die Mängelliste des Eigners abarbeiten. Maststufen müssen ersetzt werden (der Seemannsstuhl entfällt - er scheint für ein Kleinkind ausgelegt zu sein) da jede 2-te Trittstufe beim Besteigen wegen Alukorrosion vom Mast fällt (und dabei habe ich in der Karibik schon 12 kg abgespeckt). Auch die Dieselleitung des Yanmar 23PS hat ihre Tücken - nur an der bemängelten Elektrik hat sich bis auf wenige weitere Kabel noch nichts getan.
Jeder stolze Autofahrer kennt die nun folgende Beschreibung (solange er jemals einen Satz Nebelscheinwerfer und ein eigenes Autoradio eingebaut hat): Hoppla da ist Strom drauf - abzwicken - Lüsterklemme dazwischen und schon geht das Gebläse, GPS und MP3 Radio. Quer durch den Raum hängen die Außenlautsprecherkabel. Muß ja auch sein - "I'm sailing" mit 200 Watt im Cockpit ist echt cool. Eigentlich gehört alles sofort rausgerissen - dies aber soll erst in Italien durchgeführt werden.

Ab Vollmond, also 4 Tage später rechne ich mit einem Wetterumschwung und tatsächlich pünktlich zum Regattaende kommt der erste Lufthauch aus NW. Nach einem grandiosen Feuerwerk und Galamenü sind die 3 Alpin-Segler, samt 400 Liter Wasser und 200 Liter Diesel auf dem ersten Teilstück der Überführung Malaysia - Italien unterwegs. Nächster Hafen und wieder Land gibt es 1200 Seemeilen (gute 2000km) weiter in Galle/Sri Lanka. Zuerst unter Motor, dann Genua und aus der Abdeckung der Insel Langkawi heraus sogar mit dem Spi geht es die navigatorisch recht einfache Strecke (genau 270° - also West).
Der Wind wird am Abend recht kräftig, Spi weg - Genua gerefft. 7 kt und lang laufende Wellen. Würde dies alles so weitergehen hätten Sie ein langweiliges Logbuch zu lesen. Das kann die MICON I (so der Schiffsname) ändern.

Da ich gerade eine Übersetzung und Lernhilfe für PocketPC als Kartenplotter ausarbeite (darüber bald mehr), sitze ich im Salon und warte auf die sich ständig ändernde Schiffssituation. Meine Schweizerin liegt apathisch im Cockpit oder bricht ihr Vegetarisches in einen Eimer.
Der Bilgenschlauch der Backbordbilge ist falsch montiert und so kommt mehr Wasser ins Schiff als man abpumpt. Was stinkt da schon wieder? - Ah, der nächste Kabelbrand. Kein Witz - die erste Woche sind 8 Logbucheinträge nur Elektrodefekte incl. hell glühender Kabel.
Bei schlingernder See sitze ich im Cockpit und löte einen Ersatzmotor in den Autopiloten, fluche gebührend über alle Voreigner und ihre "Spezial-Cruiser-Umbauten" und suche den nächsten Defekt. Das Bordleben dagegen richtet sich langsam ein. Ich koche was mir schmeckt (und Otto schmeckt fast alles) und er revanchiert sich mit pünktlichem Kaffee zum Morgenschichtwechsel und dem Nachmittags-Spiele-Break.

Der SunDowner - wenn also die Sonne ins Meer fällt - wird von mir mit Anwesenheit der gesamten Crew im Cockpit zelebriert. Ich trage kurz vor was wir heute zusammen gemeistert haben und höre mir die Meinung und Sorgen meiner Crew an. Dann beginnt Danielas Nachtwache. Gibt es auf diesem Kahn eigentlich einmal eine Wache auf der nix passiert - nein. Entweder das Wetter mit endlosen Gewittern oder wechselnden Winden (oder gar keinen) hält uns auf Trab oder es geht wieder etwas kaputt. Nach 7 Tagen aber haben wir langsam das Schiff im Griff. Segeln tut es herrlich, spricht überraschend schnell auf einen Windhauch an - und - man glaubt es kaum, es ist trotz tropischer Regengüsse fast dicht.
Wer nimmt es da übel, dass er aus den Hauptscheiben so gut wie nichts sehen kann. Diesmal sind sie von innen mit einer dunklen Folie zugeklebt. Diese hat die UV Strahlung aber in das Plexiglas gebrannt und ist nun fast undurchsichtig. Na immer noch besser als von außen mit weißer Farbe zugemalt (siehe Überführung Vida
Alegria) - man kann zumindest sehen ob es draußen hell oder dunkel existiert.

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